Wie gelingt der perfekte Auftritt?

33 Tipps für einen erfolgreichen Auftritt

Ein kurzer Leitfaden für gereimte und ungereimte Bütten- und Festreden

  1. Das Thema: Bedenke den Eselsschrei: ia = interessant und aktuell

  2. Das Thema: sollte für jeden verständlich sein

  3. Keine hochgestochenen Fachausdrücke verwenden. Sollten jedoch Fachausdrücke verwendet werden müssen, so zeigen Sie dem Publikum, dass der Vortragende selbst nichts oder nicht viel damit anfangen kann. Denn Sie werden kaum erwarten können, dass alle Zuhörer diese Fachausdrücke kennen und verstehen. Es sei denn, Sie halten einen Vortrag vor einem speziell ausgewählten Publikum.

  4. Das Grundthema muss sich wie ein roter Faden durch den gesamten Vortrag ziehen. Wahllos aneinandergereihte Witze und Glossen, die willkürlich ausgesucht wurden, weil sie vielleicht gut sind und bestimmt Lacher bringen, müssen Sie vermeiden.

  5. Das Thema muss zum Vortragenden passen. Besser ist es, etwas naiv oder sogar blöd zu erscheinen, als zu intelligent. Niemals klüger und intelligenter sein wollen, als das Publikum !!!!!!

  6. Bei gereimten Vorträgen sollte eine Einleitung, falls sie erforderlich ist, möglichst kurz und in zwei bzw. maximal drei Versen oder Sätzen formuliert werden.

  7. Sätze dürfen nicht zu lang sein. Der Zuhörer muss einprägsame Sätze und Sprüche mühelos wiederholen können. (Das ist besonders wichtig für die Presse, die gerne gute Sätze zitiert.)

  8. Spätestens nach jedem zweiten Vers bzw. Satz sollte die Pointe kommen. Besser wäre es noch am Ende eines jeden Verses, was aber leider meistens nicht realisierbar ist.

  9. Die besten Pointen müssen für den Schluss des Vortrages aufgehoben werden. Wenn die Stimmung des Publikums auf dem Höhepunkt, und eine Steigerung so gut wie nicht mehr möglich ist, dann setzt man den Schluss an. Der absolute Knüller muss am Ende des Vortrages stehen. Alles was danach kommt, wird nicht mehr ankommen und der Vortrag verliert mit jedem weiteren Satz. Dies ist auch für gereimte Vorträge wichtig. Der absolute Lacher am Schluss wird jedem Zuhörer noch länger im Gedächtnis haften bleiben, als ein langsam und ruhig ausklingender Vortrag.

  10. Keine Sätze oder Formulierungen verwenden, bei denen das Publikum lange nachdenken muss. Denn in diesem Moment wird der nachfolgende Text meistens überhört, weil man das Vorangegangene ja erst mal noch verarbeiten muss. (Besonders wichtig bei politischen oder themenbezogenen Vorträgen.) Bei längerem Nachdenken oder sogar Rückfragen beim Nebenmann/frau (was hat er/sie jetzt damit gemeint?) kann das Publikum den nachfolgenden Text nicht mehr richtig oder nur unvollständig aufnehmen und es verliert den Anschluss an den Vortrag. Dadurch verliert es auch das Interesse und hört nicht mehr richtig zu.

  11. Deshalb: die einfachsten Gags kommen meistens am besten an, da das Publikum nicht erst lange nachdenken muss und sofort verarbeiten und lachen kann. Bedenken Sie bitte: Je einfacher und je blöder der Witz/Gag ist, desto besser kommt er an. “Der Gag war einfach so blöd, dass er schon wieder gut war!” (Kommentar aus einer Zeitungskritik, die man sich mal durch den Kopf gehen lassen sollte!)

  12. Bei allen Vorträgen sind die 5 W’s zu berücksichtigen: Wer, Was, Wann, Wo, Warum.

  13. Besonders auf die Betonung des Vortragenden kommt es an. Schlechte oder eintönige (monotone) Betonung ist langweilig.

  14. Jeder Vortragende steht und fällt mit seinem Text. Schlechter Text und schlechte Betonung sind für jeden Redner tödlich.

  15. Das Publikum sollte nach Möglichkeit in den Vortrag mit einbezogen werden. Zum Beispiel einzelne Personen im Raum/Saal können direkt angesprochen oder zitiert werden.

  16. Denken Sie an die Kunstpausen. In dieser Zeit kann das Publikum nachdenken, verarbeiten, lachen oder klatschen. Gut ist es, wenn man mit einer Kapelle zusammenarbeiten
    kann, welche die Kunstpausen musikalisch untermalt.

  17. Fangen Sie erst dann wieder an zu reden, wenn das Publikum Ihnen wieder seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Wenn Sie zu früh anfangen, und das Publikum noch unruhig ist oder noch klatscht bzw. lacht, werden Ihre ersten Worte oder sogar der erste Satz nicht oder nicht richtig verstanden und der nächste Gag läuft ins Leere. Besonders wichtig für Neulinge, die vor lauter Nervosität ihren (meistens auswendig gelernten) Text schnell hinter sich bringen wollen.

  18. Gestik und Mimik müssen intensiv geübt werden. Doch auch hier sollte man die Regel „allzuviel ist ungesund“ berücksichtigen.

  19. Der Text sollte vor einer Aufführung mehrmals vor neutralem Publikum (Familie, Verwandtschaft, Freundeskreis oder Büttenredner-Schule usw.) vorgetragen werden, damit man an den Reaktionen merkt, ob er ankommt. Fast immer muss er dann nochmals überarbeitet werden.

  20. Gleich lange Sätze (bei Versform) wirken langweilig und können auch nicht immer effektvoll betont werden. Die allgemein beliebte Regel mit dem gleichmäßigen
    Versmaß sollte bei witzigen und humorvollen Vorträgen deshalb nicht immer angewandt werden (Allerdings: Ausnahmen bestätigen die Regel)!

  21. Mundart kommt meistens besser an als reines Hochdeutsch. Deshalb sollten Sie versuchen, die Texte etwas oder ganz im Dialekt zu verfassen und vorzutragen.

  22. Zweideutig ist besser als eindeutig. Nicht zu deutlich werden. Das Publikum braucht Spielraum, um seine eigene Phantasie zu entfalten. Ordinäre Ausdrücke lassen Sie bitte ganz weg. Das wirkt primitiv und ungebildet. Bei gemischtem Publikum (Männer/Frauen) muss man sehr vorsichtig sein. Ausdrücke, worüber Männer herzhaft lachen können, sind den meisten Frauen peinlich. (Und die Männer lachen dann auch nicht, da sie nicht dürfen oder sich nicht trauen - weil die Frau dabei ist!). Deshalb ist mit solchen Sachen Vorsicht geboten. Genau so verhält es sich mit den Vortragenden. Wenn ein Mann etwas ausfallender wird (immer noch im Rahmen bleiben), nimmt man es ihm nicht so übel, als wenn eine Frau das tut. Tja, der kleine Unterschied !! Man kann sich durch die falsche Ausdrucksweise beim Publikum sehr unbeliebt machen. Vermeiden Sie es. Bleiben Sie sauber und überlassen Sie es dem Publikum, sich schlechte Gedanken zu machen. Das kommt viel besser an.

  23. Gehässigkeiten und Bissigkeiten - wohl dosiert und richtig eingesetzt, müssen zwar sein, können aber, wenn sie im Übermaß vorkommen, den/die Vortragende/n ebenfalls sehr unbeliebt machen.

  24. Und nun kommt ein heißes Eisen! Kinder und Jugendliche! Hier ist ganz besondere Vorsicht geboten. Wenn die Kinder noch klein sind, dann sind Vorträge über das private Umfeld angebracht. Hier kommt das Altkluge und Kesse (etwas frech darf es schon sein) sehr gut an. Nur - hier liegt der Unterschied: Ein Kind - bis zu einer gewissen Altersgruppe - darf man nicht dümmer machen, als es ist. Der Text sollte genau auf das Kind zugeschnitten (geschrieben) sein.

  25. Vermeiden Sie alles, was anzüglich ist. Keine Kraftausdrücke (mit einigen Ausnahmen) oder unanständige Bemerkungen. Auch sollte man bei Kindervorträgen unterscheiden können zwischen kess und etwas frech (was meistens herrlich ankommt) und respektlos und unverschämt. Das Publikum kann sehr nachtragend sein.

  26. Kinder und Jugendliche haben noch kein Gespür dafür, welcher Text gut ist und welcher nicht. Als Erwachsener kann man schon mal einen Einbruch verkraften (was aber nicht sein muss). Doch gerade Kinder sind schneller weg vom Fenster, als sie sich das vorstellen können. Deshalb verheizen sie die Kinder nicht. Es wäre schade um den Bütten-Nachwuchs.

  27. Auch sollten die Vorträge altersentsprechend sein. Machen Sie die Kinder nicht älter als sie sind. Lieber etwas jünger und naiver (aber nicht dümmer!) Bedenken Sie: Kindermund tut Wahrheit kund. Wenn Sie nach dieser Regel eine Rede verfassen, werden Sie keine Probleme haben und in Zukunft herrliche Pointen glossieren. In unserer Büttenredner-Fibel [A] haben wir gerade dem Thema “Kinder- und Jugendbütten” sehr viel Platz eingeräumt, da wir leider schon sehr viele, erfolgversprechende jugendliche Büttentalente erlebt haben, für welche dann anhand verschiedener Fehler leider all zu früh das Aus kam. An einigen Beispielen werden Sie sehr schnell erkennen können, was falsch und was richtig ist.

  28. Auch sollte man es tunlichst vermeiden, dass Kinder und Jugendliche bis zu einem gewissen Alter über die “Beziehung zwischen Mann und Frau” reden. Ebenso die Themen "Pille", "Pornographie", "Sexualität" sogar "Knutschen" usw. sollten wirklich vermieden werden. Sie werden mit einem solchen Text das Kind nur unbeliebt machen, denn dem Publikum sind solche Dinge meistens peinlich.

  29. Ganz schwierig wird es, wenn das Kind nach einigen Jahren eigentlich kein Kind mehr ist, und auch als solches nicht mehr auftreten will. Es ist aber auch noch nicht erwachsen genug, um als Erwachsene/r akzeptiert zu werden. Hier ist es ganz besonders wichtig, dass der Vortrag genau auf das Kind zugeschnitten ist. Immer jünger machen und auch wirken! Niemals älter!

  30. Das Äußere (Kleidung, Kostüm) sollte zum Vortragenden und zum Vortrag passen. Das ist bei allen Altersgruppen wichtig. Vermeiden Sie es in normaler Straßenkleidung (oder elegant) auf die Bühne zu gehen. Sie haben dadurch schon sehr viel verloren. Wer kann schon über eine Jeans oder ein Abendkleid lachen! Also wir nicht!

  31. So, nun war/kommt der erste Auftritt. Wenn das Publikum sehr ruhig ist, zeugt dies davon, dass man Ihnen zuhört. Ganz besonders bei Bühnen-Neulingen kommt dies vor. Das Publikum weiß am Anfang noch nicht, wo es Sie einordnen soll und hört Ihnen also erst einmal zu. Das ist durchaus nicht negativ zu werten. Bedenklich wird es erst, wenn ein Lacher kommen sollte und es ist immer noch alles ruhig.

  32. Sind Sie bei Ihrem Publikum kein Neuling mehr, und man könnte im Saal eine Stecknadel fallen hören, dann haben Sie wahrscheinlich einen spannenden Vortrag, von dem man kein Wort versäumen möchte. Die Lacher an der richtigen Stelle – und Sie haben gewonnen. Man wird es Ihnen mit sehr viel Applaus danken.

  33. Außerdem hören Sie sich nach Ihrem Vortrag beim Publikum um. Oder lassen Sie es von jemanden tun. Wenn man Ihnen sagt, Sie waren gut, dann muss das nicht immer der Wahrheit entsprechen.

    Sie waren vielleicht wirklich gut - aber Ihr Vortrag nicht! Will man sich vielleicht nur bei Ihnen beliebt machen? Oder freut man sich heimlich, dass Sie nicht so gut waren wie die anderen Redner? Ob Ihr Vortrag ankommt merken Sie selbst, wenn Sie auf der Bühne stehen. Wenn das Publikum unruhig wird während ihres Vortrages, so kann es sein, dass Ihr Vortrag langweilig ist, und der Zuhörer hat dann das Gefühl, Ihr Vortrag sei zu lang. In diesem Fall müssen Sie unbedingt ändern, überarbeiten und Schwachstellen streichen.

    Wenn man aber sagt: "Was, schon fertig? Schade, da hätte ich noch eine ganze Weile zuhören können", dann haben Sie es geschafft. Dieser Vortrag war kurzweilig und interessant (lustig). Zugaberufe bestätigen dies oder auch die Intensität und Länge des Beifalls. Stehende Ovationen sind das Höchste was ein Redner erreichen kann. Arbeiten Sie immer darauf hin.

    Auch werden Sie merken, dass Sie bei jeder Veranstaltung ein anderes Publikum haben. Bei der einen Veranstaltung ist das Publikum schnell zu begeistern und bei der anderen Veranstaltung haben Sie das Gefühl, man müsste die Zuhörer erst mal kitzeln, damit sie wenigstens ein freundliches Gesicht machen. Aber solche Unterschiede - bei ein und demselben Vortrag - müssen sie berücksichtigen. Jeder Auftritt sollte so angegangen werden, als sei es Ihr Erster. Geben Sie sich vor jedem Publikum die gleiche Mühe, auch wenn Sie mal nicht so gut drauf sind. Geben Sie trotzdem Ihr Bestes! Man wird es Ihnen danken. (Und Sie werden als glückliche/r und stolze/r Büttenrednerin oder Büttenredner die Bühne verlassen)!


Sie wollen noch mehr Tipps? Dann empfehlen wir Ihnen unsere Büttenredner-Fibel [A]